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Notfallübungen in modernsten SimulationsräumenNottwil LU, 4. September 2018 – Das Schweizer Institut für Rettungsmedizin SIRMED hat auf dem Campus der Schweizer Paraplegiker-Stiftung in Nottwil zwei moderne Simulationsräume eröffnet. Darin kann sich Spitalpersonal aus der ganzen Schweiz unter realitätsnahen Bedingungen auf Krisensituationen in Operationssälen sowie auf Notfall- und Intensivstationen vorbereiten.

Der Patient erleidet mitten in der Operationsvorbereitung einen Herzinfarkt. Oder auf der Intensivstation fällt plötzlich der Strom aus: Solche Ausnahmesituationen fordern das Spitalpersonal. Damit es im Ernstfall bestmöglich auf derartige Szenarien reagieren kann, ist es wichtig, dass es solche Situationen immer wieder übt.

Am Schweizer Institut für Rettungsmedizin SIRMED erhalten Fachkräfte aus der ganzen Schweiz jetzt die Möglichkeit, Notfälle realitätsnah durchzuspielen. Vergangene Woche wurde im SimCenter der SIRMED auf dem Campus der Schweizer Paraplegiker-Stiftung in Nottwil zwei moderne Simulationsräume eröffnet. Diese können variabel als Operationssaal, Intensivstation oder Schockraum eingerichtet werden. Spitäler aus der ganzen Schweiz können diese Infrastruktur mieten, um selbstständig Simulationstrainings für das eigene Personal durchzuführen oder entsprechende Kurse bei SIRMED zu buchen. Heute Dienstagmorgen, 4. September, nahmen Medienschaffende einen Augenschein vor Ort.

Realitätsnah: Hightech-Puppen reagieren allergisch

Die Simulationsräume sind schweizweit die modernsten ihrer Art. Sie verfügen über sämtliche technischen Finessen und neuesten Gerätschaften. Vor ihrer Realisierung besuchten die SIRMED-Verantwortlichen europaweit ähnliche Simulationszentren und liessen im Ausland teilweise bereits umgesetzte Ideen in die Planung einfliessen. So sitzt der Übungsleiter im SimCenter in Nottwil während den Simulationsübungen in einem Nebenraum, wo er die medizinischen Fachkräfte durch eine Spiegelscheibe beobachtet und die Szenarien steuert.

In den neuen Räumlichkeiten üben die Fachkräfte mit Hightech-Puppen. Diese können schwitzen, atmen, bluten und sprechen. Ihre Pupillen reagieren gar auf Lichtreize. Der Übungsleiter kann bei den Puppen zudem per Fernsteuerung zum Beispiel allergische Reaktionen oder Herzinfarktsymptome auslösen. Die Fachkräfte müssen derweil herausfinden, was dem Patienten fehlt und entsprechend handeln. «Dank dieser Puppen und der neuen Räume können wir bei den Übungen realitätsnahe Bedingungen bieten», sagt Kai Kranz, SIRMED-Bereichsleiter CME (Continuous Medical Education).

Videoanalysen zeigen Verbesserungspotenziale

Nicht nur Spitalpersonal sondern auch Rettungskräfte werden in Nottwil geschult: Um die ganze Rettungskette – vom Unfallort bis in den Operationssaal – durchzuspielen, besitzt das SIRMED-SimCenter ein 1:1-Modell eines Rettungshelikopters und ein Ambulanzfahrzeug. So beginnen viele Übungen ausserhalb der Simulationsräume – auf der nahegelegenen Sportanlage, in der Tiefgarage des Schweizer Paraplegiker-Zentrums oder im Wald. Mit einem Personenwagen kann zudem die medizinische Versorgung bei einem Verkehrsunfall trainiert werden.

Die Übungen in den Simulationsräumen und im Aussenbereich des SIRMED-Areals in Nottwil werden mit festinstallierten Videokameras aufgezeichnet und anschliessend mit allen Beteiligten analysiert. Denn Ursachen für Fehler in Krisensituationen sind oftmals mangelnde Koordination, Zusammenarbeit und Kommunikation. «Eine funktionierende Teamarbeit ist enorm wichtig», sagt Kai Kranz. «Wir vermitteln hier nicht primär medizinischen Fertigkeiten.» Bei den Simulationen gehe es viel mehr um das Situationsbewusstsein, die Entscheidungsfindung, die Kommunikation und die Teamarbeit.

Kleine Spitäler können sich eigene Übungsräume nicht leisten

Simulationen im Rahmen von Aus- und Weiterbildungen gehören in der Medizin schon lange zum Standard. In der Schweiz gibt es nur rund ein halbes Dutzend Simulationszentren. Die meisten von ihnen befinden sich in Besitz von grösseren Spitälern und werden vorwiegend benötigt, um das eigene Personal zu schulen. «Doch längst nicht jedes Spital kann sich solche Infrastrukturen leisten», sagt Helge Regener, Geschäftsführer SIRMED. «Hier in Nottwil erhält nun auch das Personal von kleineren und mittleren Schweizer Spitälern die Möglichkeit, Simulationskurse durchzuführen. Rettungsdienste nutzen diese Chance bereits seit Jahren.»

Im vergangenen Jahr nutzten insgesamt fast 11‘000 Personen aus der ganzen Schweiz das SIRMED-Bildungsangebot. Doch SIRMED stellt ihre Infrastrukturen und Kursangebote nicht nur Profis aus dem Bereich der Rettungs- und Notfallmedizin zur Verfügung, sondern erteilt auch Personen ohne medizinische Kenntnisse praxisnahe Erste-Hilfe-Ausbildungen. Zu den Kunden dieses Segments zählen vorwiegend Unternehmen. Seit 2008 ist SIRMED zudem eine Höhere Fachschule. Aktuell besuchen rund sechzig Personen die dreijährige Ausbildung zum diplomierten Rettungssanitäter HF respektive den einjährigen Kurs zum Transportsanitäter mit eidgenössischem Fachausweis.

«Davon profitieren die Patienten»

Das Schweizer Institut für Rettungsmedizin SIRMED nahm seinen Betrieb im Jahr 2002 mit vier Mitarbeitern auf. Bei SIRMED, einer Tochtergesellschaft der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, stand ursprünglich die Idee im Zentrum, Retter optimal auf die Unfallbergung von Rückenverletzten vorzubereiten. Heute gehört SIRMED zu den Marktführern bei Ausbildungen im Bereich der Notfall- und Rettungsmedizin. Inzwischen beschäftigt SIRMED 23 Festangestellte und rund 230 Personen im Stundenlohn. Die Kursangebote werden in den vier Landessprachen durchgeführt und oftmals direkt bei den Kunden vor Ort. Zudem hat SIRMED Kooperationen mit dem Ambulanz- und Rettungsdienst Murten und Umgebung sowie mit dem Dachverband der Tessiner Rettungsorganisationen FCTSA in Breganzona, wo ein Teil der französisch- respektive italienischsprachigen Seminare stattfinden.

«Durch das immer grösser werdende Angebot unserer Organisation stiessen wir in den vergangenen Jahren an unsere Kapazitätsgrenzen», sagt SIRMED-Geschäftsführer Helge Regener. «Daher sind wir froh, dass wir mit dem neuen Erweiterungsbau, in dem auch die Simulationsräume untergebracht sind, unsere Fläche in Nottwil fast verdoppeln konnten.» Denn es sei wichtig, dass möglichst viele Personen das Bildungsangebot der SIRMED nutzen könnten: «Davon profitieren am Schluss die Patienten.»

Kastentext: Woche der Patientensicherheit

Simulationen helfen die Patientensicherheit zu erhöhen: Nur dank ihnen lernen Fachkräfte, wie sie in der Realität schnell und richtig zu reagieren können. Auch die Stiftung Patientensicherheit widmet sich diesem Thema: Vom 17. bis 23. September 2018 findet in der Schweiz die Woche der Patientensicherheit statt. Rund um diese Woche ruft die Stiftung Organisationen auf, das Thema aus ihrem Blickwinkel aufzugreifen. Mit der zeitnahen Eröffnung der Simulationsräume trägt SIRMED diesem Wunsch Rechnung. Die Patientensicherheit durch Aus- und Fortbildung zu erhöhen, ist eine der Kernaufgaben des Schweizer Instituts für Rettungsmedizin SIRMED. 

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